Mehr als nur ein Kampf: Wie Taekwondo in Unterhaching wächst
Heute sprechen wir mit Christian Sigl, Abteilungsleiter und Trainer der olympischen Taekwondo-Abteilung des TSV Unterhaching. Hier verbindet die Abteilung sportlichen Wettkampf mit persönlicher Entwicklung. Angetreten wird zwar auch in Einzelwettkämpfen, aber viel mehr im Mannschaftsbereich. Die Taekwondo-Abteilung des TSV Unterhaching steht für eine Mischung aus Breitensport, Leistungsentwicklung und persönlichem Wachstum.
Christian, was genau unterscheidet olympisches Taekwondo vom traditionellen Taekwon-Do?
"Im Kern nutzen beide Stilrichtungen ähnliche Techniken, der Unterschied liegt vor allem in der Ausführung. Beiden Formen gemein ist die ursprüngliche Bedeutung „Weg von Fuß und Hand“, wobei Tae für Fuß, Kwon für Hand und Do für Weg steht. Beide werden hier bei uns im TSV angeboten, aber ich vertrete das olympische Taekwondo.
Das olympische Taekwondo ist schneller, moderner und wettkampforientiert. Es wurde seit den 1970er-Jahren international verbreitet und gilt als Vollkontakt-Sportart. Gekämpft wird deshalb mit Schutzausrüstung. Dieser Kontakt mit dem Gegner wird eben speziell trainiert. Unterschieden wird auch nach den verschiedenen Farbgürteln, man startet mit dem Weißgürtel und arbeitet sich bei regelmäßigem Training in ca. sechs Jahren vor bis zum Schwarzgurt. Wobei der im Bereich U15 nochmal anders ist als bei Ü15, denn erst dann darf in der Prüfung ein Holzbrett zerschlagen werden.
Das traditionelle Taekwon-Do hingegen ist stärker von seiner ursprünglichen Philosophie geprägt und komplett kontaktlos. Es legt mehr Wert auf den „Weg“ (Do), also auf die Geisteshaltung. Es gibt dabei nur einen „simulierten“ Gegner, auf den man die Techniken anwendet. Es ist mehr Kampfkunst als Kampfsport."
Wie bist du selbst zum Taekwondo gekommen?
"Mein Einstieg war tatsächlich vor 40 Jahren über Kampfsportfilme. Die Faszination hat mich damals – ohne das Internet – in die Bibliothek geführt, dort wurde in den Büchern auch Taekwondo als Kampfsport erwähnt. Der nächste Schritt: Telefonbuch aufgeschlagen, Studio gesucht, hingegangen – und geblieben. Mir gefällt an der olympischen Variante vor allem, dass sie noch so jung ist und man sich selbst einbringen kann, um den Sport weiterzuentwickeln."
Wie ist die Taekwondo-Abteilung beim TSV Unterhaching aufgestellt?
"15 Leute haben die Abteilung 2017 gegründet, sie hat sich seitdem kontinuierlich entwickelt. Diese Erfahrung und die nötige Disziplin geben wir an die jüngeren Menschen weiter. Meiner Meinung nach sind Kampfsportarten perfekt, um Selbstvertrauen aufzubauen und selbstbewusstes Auftreten zu verinnerlichen. Man ist fitter, leistungsfähiger und kann sich besser behaupten.
Besonders im Jugendbereich hier hatten wir schon einige Erfolge – darunter eine Menge Bayerische Meistertitel sowie zwei Deutsche Meistertitel.
Taekwondo ist stark verbandsorganisiert – vom Bayerischen Verband (in dem ich selbst aktiv bin als Vizepräsident für Wirtschaft und Finanzen) über den Deutschen Verband bis hin zum Weltverband. In Bayern gibt es rund 14.000 aktive olympische Taekwondo-Sportler, und die Vereinsarbeit basiert nahezu vollständig auf Ehrenamt."
Wie läuft konkret eine Saison ab und wie läuft die aktuelle?
"Das ganz normale Breitensport-Training findet das gesamte Jahr über statt. Außerdem haben wir über das Jahr hinweg Qualifikationsturniere – von regionalen Meisterschaften (Südbayerische, Nordbayerische) bis hin zur Bayerischen Meisterschaft und darüber hinaus. Parallel dazu laufen Breitensportlehrgänge und Weiterbildungen, insbesondere im Winter. Ein Highlight im internationalen Kalender sind die German Open Pommsae, bei denen regelmäßig mehrere hundert Athletinnen und Athleten teilnehmen. Die diesjährigen German Open haben im Februar in Wiesbaden stattgefunden, wobei wir einen sensationellen 2. Platz feiern durften. Auch die Südbayerischen Meisterschaften waren bereits. Jetzt am 16. Mai finden die Nordbayerischen statt und dann spitzen sich die Qualifikationsturniere weiter zu, das läuft bis in den Oktober hinein."
Wo habt ihr im Vergleich zum Vorjahr die größten Fortschritte gemacht?
"Vor allem im Mannschaftsbereich: Seit zwei Jahren gibt es einmal pro Woche ein reines Mannschaftstraining von jung bis alt. Ziel war es, besser auf Wettkämpfe vorbereitet zu sein. Und das ist auch gelungen, für die Südbayerischen Meisterschaften waren mehr Sportler turnierfähig als noch im Vorjahr. Denn im Taekwondo zählt vor allem das regelmäßige Üben. Man macht es 100.000-mal und irgendwann ist man so weit, dass man an den Turnieren teilnehmen und auch gewinnen kann."
Welches Ziel habt ihr für die kommende Saison?
"Im Taekwondo zählt nicht nur der Einzelerfolg. Entscheidend ist die Teamleistung, denn die Medaillen aller Athletinnen und Athleten fließen in eine Gesamtwertung ein – den Vereinspokal. Zwei Vereinspokale gab es bereits, allerdings ist das beste Ergebnis „nur“ ein 3. Platz. Tatsächlich ist dieser Erfolg jedoch wertvoller, denn vom TSV waren nur acht Sportler mit dabei, andere Vereine treten teils mit 70 an. So oder so, wir wollen mehr Vereinspokale gewinnen und auch mal einen 2. bzw. 1. Platz machen!"
Die größte Herausforderung?
"Das sind tatsächlich die Rahmenbedingungen hier beim TSV Unterhaching. Es wird viel Wert auf Ballsportarten gelegt, die anderen Sportarten rücken dabei in den Hintergrund. Was schade ist, weil es dadurch kaum Wachstums- bzw. Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Die Abteilung ist hier einfach mehr eine Breitensport- denn eine Leistungs-abteilung. Dadurch verlieren wir immer wieder Sportler an andere Vereine, weil wir zu wenig Trainingsmöglichkeiten haben."
Worauf freust du dich am meisten in der nächsten Zeit?
"Im Dezember findet die wichtigste Prüfung vom Rotgurt zum Schwarzgurt hier bei uns statt. Dieses besondere Highlight als Heimspiel veranstalten zu dürfen, das ist schon echt richtig super."
Wenn du einen Wunsch frei hättest, was wünschst du dir?
"Wir sind als sehr kleine Abteilung gestartet und haben uns wahnsinnig weiterentwickelt. Um jetzt noch mehr zu erreichen, müsste man einfach mehr Möglichkeiten haben. Deshalb würde ich mir eine eigene Halle wünschen, in der wir jedes Training stattfinden lassen können."