Mehr als nur Sport: Wie die Karate-Abteilung Gemeinschaft und Werte lebt

Heute sprechen wir mit Anna-Karina Wolf, Trainerin in der Karate-Abteilung des TSV Unterhaching. Rund 50 aktive Mitglieder trainieren hier mindestens einmal pro Woche und verbinden den sportlichen Vergleich mit persönlicher Weiterentwicklung. Ein Interview über Vielseitigkeit, starken Zusammenhalt und die Herausforderungen im Vereinsalltag.


Ist Karate eher Kampfsport oder Kampfkunst und was gefällt dir persönlich besonders an der Sportart?

Ich finde, Karate ist eine unglaublich vielseitige Sportart, die einem viele Möglichkeiten bietet, sich persönlich weiterzuentwickeln. Es gibt unterschiedliche Stilrichtungen und Denkansätze, aus denen man lernen und sich mit der Zeit seinen eigenen Stil erarbeiten kann. Gerade diese Flexibilität gefällt mir besonders. Außerdem schätze ich den starken Zusammenhalt unter den Karateka. Mit der Zeit entstehen Freundschaften, dadurch dass man gemeinsam viel erlebt – sowohl im Training als auch darüber hinaus. Besonders spannend sind Lehrgänge, die beispielsweise vom DKV organisiert oder beworben werden. Dort kann man neue Perspektiven, Techniken und Denkansätze kennenlernen. Karate vermittelt zudem wichtige Werte wie Respekt, Vertrauen in den Trainingspartner und Selbstsicherheit. Gleichzeitig lernt man aber vor allem, dass ein Kampf möglichst immer vermieden werden sollte. Karate bedeutet für mich nicht, Stärke zur Schau zu stellen oder andere einzuschüchtern, sondern verantwortungsvoll mit seinen Fähigkeiten umzugehen.

Bezüglich der Frage, ob es sich um Kampfsport oder Kampfkunst handelt, kommt das stark darauf an, welchen Bereich man betrachtet. Im Bereich Kata sehe ich Karate eher als Kampfkunst, da dort stilisierte Bewegungen und traditionelle Techniken im Vordergrund stehen. In den Bereichen Bunkai und Kumite hingegen geht es stärker um praktische Anwendungen und den sportlichen Vergleich, weshalb ich diese eher dem Kampfsport zuordnen würde. Für mich macht gerade die Kombination aus beidem Karate so wertvoll. Deshalb würde ich sagen: Karate ist sowohl Kampfkunst als auch Kampfsport.

 


Wie sieht eine typische Trainingseinheit aus und gibt es Unterschiede im Sommer und im Winter?

Im Winter liegt unser Fokus stärker auf Anfängern sowie auf der Vorbereitung für die jährlichen Gürtelprüfungen im Frühjahr. Nach den Prüfungen, also vor allem im Frühjahr und Sommer, versuchen wir verstärkt neue Denkansätze und Trainingsinhalte einzubringen und gleichzeitig den Zusammenhalt innerhalb der Abteilung durch gemeinsame Aktionen zu stärken.

Generell achten wir aber das ganze Jahr über darauf, das Training abwechslungsreich zu gestalten.

 


Gibt es einen Moment, der dir aus den letzten Wochen oder Monaten besonders in Erinnerung geblieben ist?

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir unsere erste Wochenendfahrt Anfang Mai mit 22 Personen aus dem Verein nach Benediktbeuern. Sowohl in der Vorbereitung als auch während des Trainings vor Ort konnte ich unglaublich viel Neues lernen. Ich habe ausschließlich positives Feedback dazu bekommen.

Neben den Trainingseinheiten war auch die gemeinsame Zeit außerhalb des Trainings etwas Besonderes. Wir haben zusammen Karate Kid geschaut, musiziert und gemeinsam Gitarre gespielt. Das hat den Zusammenhalt in der Gruppe noch einmal deutlich gestärkt.

 


Wo habt ihr im Vergleich zum Vorjahr die größten Fortschritte gemacht? Geht es dabei überhaupt um Fortschritte?

Die größten Fortschritte haben wir meiner Meinung nach beim Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Abteilung gemacht. Es sind viele Freundschaften entstanden, sodass das Training längst nicht mehr nur aus Sport besteht.

Außerdem besuchen wir inzwischen deutlich mehr Lehrgänge. Dadurch sammeln wir neue Erfahrungen, lernen unterschiedliche Herangehensweisen kennen und können unser eigenes Training vielseitiger gestalten.

Jedoch geht es beim individuellen Karate nicht in erster Linie, um Fortschritte, sondern darum, sich besser kennenzulernen und zu lernen, wie man mit potentiell gefährlichen Situationen deeskalierend umgeht.

 


Was ist die größte Herausforderung generell als Abteilung beim TSV?

Unsere größte Herausforderung ist aktuell die Anzahl an Trainern. Momentan wird die gesamte Abteilung von drei Trainern betreut, was natürlich viel Organisation und Engagement erfordert. Glücklicherweise haben wir viele motivierte und interessierte Mitglieder, wodurch wir das insgesamt gut meistern können.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, zusätzliche Aktionen außerhalb des Trainings zu planen und umzusetzen, da genau solche gemeinsamen Aktivitäten wichtig für das Gemeinschaftsgefühl sind.

 


Worauf freust du dich konkret am meisten in den nächsten Wochen oder Monaten?

Ich freue mich besonders auf die vielen Lehrgänge, die wir gemeinsam als Verein besuchen möchten, sowie auf unser Sommertraining kurz vor den Ferien. Aktuell planen wir unter anderem ein gemeinsames Picknick mit der Abteilung.

Außerdem freue ich mich auf unseren neuen Anfängerkurs ab Mitte September und darauf, viele neue interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennenzulernen.

Ein zusätzliches Highlight ist für mich jedes Jahr unsere Weihnachtsfeier. Sie ist eine schöne Gelegenheit, vor den Feiertagen noch einmal gemeinsam Zeit zu verbringen und neue Mitglieder aus dem Anfängerkurs stärker in die Abteilung zu integrieren.

Im vergangenen Jahr gab es sogar einen Weihnachtsmann und eine kleine Ehrung für die Personen mit der höchsten Trainingsbeteiligung – solche Aktionen stärken die Gemeinschaft zusätzlich sehr.

 


Wenn du einen Wunsch für deine Abteilung frei hättest, was würdest du dir wünschen?

Ich würde mir wünschen, mehr Kapazitäten für noch individuelleres und bedürfnisorientiertes Training zu haben. Außerdem fände ich es schön, auch ein Angebot für Kinder im Vorschulalter aufbauen zu können.